Tabuthema Krankheit oder Schwäche, Schmerz und die emotionalen Folgen – und wie Du damit umgehst

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Es gibt Phasen im Leben, die sehr schwer sind. Beispielsweise bei längerer Krankheit oder Schwäche sowie chronischen Krankheiten.

In diesen Phasen ist es nicht nur schwierig, den Alltag zu bewältigen aufgrund der Krankheit wie Schmerzen, es kommen noch weitere Dinge dazu:

Emotionale Schwierigkeiten- Nimm ALLES an, was Du bist 

Keiner ist gerne nicht leistungsfähig oder sogar hilfsbedürftig. Wenn man längere Phasen von Krankheit oder Schwäche hat, ist man oft auf Hilfe angewiesen oder kann viele Dinge nicht machen. Außerdem ist die Stimmung bei Krankheit oft schlecht, man ist leichter missgestimmt, fühlt sich angreifbar, überfordert, ist “weinerlich”. Dies kann bei anderen dazu führen, zu “motivieren” oder Dinge zu sagen wie “reiße Dich zusammen” oder ähnliches. Ich selbst habe gemerkt , dass dies in solchen Phasen überhaupt nicht hilft. Bei einer Krankheit hat man sich ja schon vor der Krankheit zusammengerissen, überfordert und über seine Kräfte gewirtschaftet. 

Was hilft, ist die eigene Krankheit oder Schwäche anzuerkennen und die Negativitäten, die damit zusammenhängen, zu akzeptieren und auch zu kommunizieren. Bei einer längeren Krankheit kann allerdings  eine neue emotionale Rolle in Dir entstehen, die oder der “Kranke”. Es ist nach meiner Erfahrung sehr wichtig, diese Rolle zu akzeptieren und zu sehen, aber nicht als die einzige Identität zu begreifen. Dies ist eine sehr schwere Gradwanderung. Aber es lohnt sich, dieses Bewusstsein zu entwickeln.

Die eigene Leistungsfähigkeit – die substantielle Angst 
Schütze Deinen Besitz

Bei einer längeren Phase von Krankheit oder Schwäche ist es manchmal nicht mehr möglich, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich selbst bin selbständig und eine der größten Ängste jedes Menschen ist es, nicht mehr zu funktionieren. 

Zu den Schmerzen und den emotionalen Schwierigkeiten kommt also noch eine existenzielle Problematik: “Was, wenn ich meine Rechnungen und Mieten/Kredite nicht mehr zahlen kann?”

Oder Du hast Kinder: “Was, wenn ich meine Kinder nicht mehr versorgen kann?”

Deswegen ist es immens wichtig, immer ein paar Monate zahlen zu können, ohne Geld verdienen zu müssen, also ein Polster zu haben. So wird es möglich, in Phasen von Schwäche auch einfach einmal alles loslassen zu können und Aufgaben abzugeben/ Vertretung, Babysitter oder ähnliches zu organisieren. Oder wenn Du alleinerziehend bist zu wissen, welche Hilfsorganisationen eine Haushaltshilfe zur Verfügung stellen können. Du kannst nicht alles allein schaffen. Wir Menschen sind soziale Wesen, die eine Community brauchen und Du hast das Recht dazu, das in Anspruch zu nehmen. Wenn Du wirklich Deine Hand nach Hilfe ausstreckst, dann wird es auch eine Hand geben, die Deine nimmt.

Dies ist das allerwichtigste. Unterbewusst kann dies ein großer Stressfaktor im täglichen Leben sein, was wiederum zu schnellerer Erschöpfung führen kann. In den ersten Jahren meiner Selbständigkeit hatte ich dies nicht, und ich hatte bei Krankheit sofort Angst, länger nicht mehr zu funktionieren oder nicht genung Geld zu verdienen. Dies hat mir im Nachhinein betrachtet viel Energie abgezogen.

Wenn Du kein Geld speichern kannst, dann schaue, ob Du Kosten reduzieren kannst. Oder Du leihst Dir Geld, dass Du beiseite legst für alle Fälle. Wenn man nur will, dann kommt auch von irgendwoher das nötige Geld, auch wenn Du gerade in einer Krankheitsphase bist. Leihe Dir von Freunden, Familie etwas, frage nach Hilfe, nehme den Worst Case an! Nehme an, dass Du es nicht schaffst und bereite Dich genau auf diese Situation vor! Das wird Dir den Druck nehmen, doch noch durchhalten zu müssen. Wenn Du im Unterbewusstsein immer denkst, Du kannst nicht loslassen, dann ist es sehr schwierig, gesund zu werden oder Dein volles Potential auszuschöpfen.

Der Druck von außen: Stark, unabhängig und erfolgreich ist das Maß aller Dinge? Grenze Dich ab und behalte Deine Integrität!

Die Gesellschaft sieht am liebsten junge, starke, erfolgreiche Menschen, die Ihre eigenen Interessen verfolgen können und sexy sind. Das sieht man sehr gut, wenn man die perfekten Bilder und Motivations-Sprüche auf Instagram ansieht und die Zahlen der Follower. 

In Phasen von Krankheit oder Schwäche kannst Du Dich nicht “optimieren”! Du kannst vielleicht  kein Yoga oder Sport machen, kannst nicht spazieren, nicht meditieren oder Dich weiterbilden oder noch nicht mal gesund Essen, weil es dafür keine Lebensenergie gibt.

Es hilft Dir also überhaupt nicht, diese Bilder und Sprüche anzusehen. Oder diese Texte zu lesen. Auch hier wird Dein Negativer Mind Dir eher noch einreden, dass Du wegen Deiner Schwäche nicht gut genug bist, dass Du doch eigentlich dies und das machen solltest usw.

Wenn Du schon in einer längeren Phase von Krankheit oder Schwäche warst, dann weißt Du genau, worüber ich hier schreibe. Keine Lebensenergie = keine Lebensenergie. Da ich liebend gerne Dinge mache, Projekte, neue Sachen probiere, stark bin usw., fällt es mir sehr schwer, alles sein zu lassen. Aber manchmal ist es wichtig, sich absolut zurückzuziehen. Sich mit der Außenwelt gar nicht mehr zu identifizieren, von  seinem eigenen Traumbild von sich selbst einmal Pause zu machen, nur noch den allernötigsten Kontakt zur Außenwelt zu haben. Verstehe mich nicht falsch: All das ist gut und wichtig. Aber in diesen “dunklen Phasen” wird viel heilen können. Diese Phasen schenken Dir den Luxus, einfach einmal loszulassen: Deine Rollen, die Du normalerweise lebst, die von außen auf Dich projizierten Erwartungen.. schließe die Gesellschaft für eine Weile aus. Sammel Dich und gib der Lebensenergie die Möglichkeit, sich in Deinem Selbst zu sammeln, damit Du zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit der Außenwelt interagieren kannst. Und zwar mit Freude und Energie.

Die Lebensenergie kehrt langsam zurück. Schleudere nicht alles gleich nach außen!

Was machen wir, wenn die Lebensgeister langsam zurückkommen? Wir wollen gleich wieder Gas geben, unsere Projekte weitermachen oder uns wieder um unsere Familie kümmern. Aber da sage ich erst einmal STOP!

Fange erst einmal bei DIR an! Was nährt Dich denn? Du merkst Du kannst wieder aufstehen, Du kannst laufen, spürst Energie, magst Dich bewegen/reden/Dinge ansehen? Dann höre jetzt ganz genau auf Dich selbst, was Du brauchst um Dich selbst mit Lebensenergie zu füttern. Du bist noch sehr stark mit Deinem Gefühl zu Dir selbst verbunden, weil Du länger nur mit Dir selbst warst. Nutze dieses feine Verständnis und mache erst einmal Dinge, die Dich nähren. Nur, wie macht man das?

Ich z.B. merke, dass ich nicht für andere kreativ sein will oder zuhören will ( ich bin Mediengestalterin und unterrichte Yoga), sondern etwas für mich machen will. Manchmal ist es Singen, Tanzen, ein Mosaik machen, etwas was mir zugute kommt und niemandem anderen sonst. Keinem Kunden, keinem Lebenspartner, sondern nur mir. Ich leite also die zurück gewonnene Lebensenergie zu mir selbst, um mich zu energetisieren. Auch Selbstmassagen geben mir selbst Lebensenergie, oder Du gehst zu einer Massage. Suche Dir aber die richtige Masseurin, den richtigen Masseur dazu aus!

Du weißt nicht, wie Du das machen kannst oder was Du jetzt brauchst? Hier habe ich eine kleine Übung für Dich:

Übung, wie Du Dich mit Deinen Bedürfnissen verbindest.

Setze oder lege Dich irgendwohin, wo Du Ruhe hast und Dich selbst spüren kannst. Im Wald auf einer Bank, Zuhause auf dem Sofa, in der Badewanne oder kurz vor dem Einschlafen, wenn keiner mehr etwas von Dir will.

Stelle Dir Deine nächste Aktion vor, die Du machen willst. Mir gehen dann immer ein paar Sachen durch den Kopf. Lasse Dir Zeit, Dich in die Situation einzufühlen. 

Wie fühlst du dich in dieser Szene? Leicht und hell, spürst Du eine leichte Freude in Dir, eine Expansion, etwas helles, etwas was Dich bewegt? Kitzelt es in der Herzgegend und geht ein Energiestrom vom Herz zur Kehle? Spürst Du Dich, wie Du in einem hellen oder warmen Strahl sitzt? Wie Du Platz um Dich herum hast? Wie Du leicht atmen kannst, fühlst Du Dich wie ein freudiges Kind, erwartungsvoll?

Es ist eine subtile Empfindung und nicht sonderlich stark, aber das sind die Worte, die mein Gefühl zu einer Situation beschreiben, die mich nähren und die mir persönlich Energie geben. Das kann bei mir ein bisschen Gitarre spielen sein, etwas singen und tanzen, Malen, bei guten Freunden sein…bei Dir kann es etwas anderes sein.

Oder: Du fühlst etwas Schweres, etwas Dunkles, Du kannst vielleicht nicht so gut atmen, die Färbung ist eher grau, Du fühlst Dich bewegungslos, starr, schwer in der Situation? Es ist, als ob Du abgeschnitten wärst. Es gibt kein Licht, keine Bewegung?

Diese Art von Empfindung ist jetzt eindeutig nicht das richtige für Dich. Du solltest in der Phase des Kräftesammelns diese Situationen auf keinen Fall zu oft erleben, da Deine Energie noch nicht vollständig hergestellt ist. Achte also besonders darauf, dass Du nicht zu viel in diesem Zustand machst. Bei mir z.B. sind das Dinge abarbeiten und erledigen. Das hebe ich mir für dann auf, wenn ich wieder voll hergestellt bin. Dann kann ich wieder allen Dingen gerecht werden und mit innerer Stärke auch unliebsame Tätigkeiten meistern.

Diese Übung ist einfach, und zeigt Dir ganz klar, womit Du Dich jetzt nähren kannst.

Aber bei allem gilt: Überfordere Dich nicht. Mache erst eine Sache am Tag, nicht 2 oder 3 oder gar 4 verschiedene auf einmal. 

Ich bin gespannt darauf, was Du in solchen Phasen machst und wie Du Dich wieder energetisiert? Bitte schreibe mir in die Kommentare oder stelle eine Frage.

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